Die Geschichte des Oschatzer Flugsports

… in Zahlen, Fakten und Episoden.

Der Flugsport gehört zu den wenigen Sportarten, der ganz intensiv von gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen geprägt wurde. Die Siegermächte verboten nach dem Ersten Weltkrieg den Deutschen den zivilen Motorflug. Das führte zur dynamischen Entwicklung des Segelfluges. Fliegen zu DDR-Zeiten war eingepresst in die Diktatur des Staates und der Gesellschaft für Sport und Technik. Die politische Wende 1989 veränderte nicht nur Deutschland, sondern auch den gesamten Flugsport.
Diese großen Eckpfeiler spiegeln sich auch in der Geschichte des Oschatzer Flugsportes wieder. Egal zu welcher Zeit, eine Eigenschaft prägt die Oschatzer Flieger gemeinsam: die Begeisterung, die Heimat aus der Vogelperspektive bewundern zu können. Diese Freiheit lässt sprichwörtlich Flügel wachsen. Mit größten Anstrengungen, gepaart mit Leidenschaft entsteht der Flugsport, der in den 83 Jahren ein fester Bestandteil in unserer Region geworden ist.

Angela Pollmer
November 2010

1927

Bildung einer Interessengemeinschaft, Ballonrammen und Graf Zeppelin

Es wird eine Interessengemeinschaft mit dem Ziel Flugschauen zu organisieren gegründet. Als Behelfsflugplatz dienen abgemähte Felder östlich von Oschatz, Richtung Kleinragewitz. Beliebt ist auch das „Ballonrammen“: Mit Gas gefüllte Ballons werden in die Luft gelassen und die Piloten in den Motormaschinen versuchen mit dem Propeller die Ballons zu zerknallen. Es gibt auch Flugvorführungen, bei denen an den Maschinen Behälter angebracht waren, die bunte Rauchschwaden am Himmel hinterherzeichnen.
Ein weiteres Highlight in diesem Jahr: das Luftschiff „Graf Zeppelin“ fliegt über Oschatz.

1933

Deutscher Luftsportverbandes e.V. , Bau eines Hanggleiters und erste Gummiseilstarts

Am 12. Mai erfolgt die Gründung der Untergruppe des Deutschen Luftsportverbandes e.V., erster Vorsitzender ist der Rittmeister a. D. Max Millington Hermann aus Limbach, Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.
Dem Vorstand gehören die Herren Altmann, Bochmann, Dresse, Guckland, Hohlfeld, Kluge und Meyer an. Den Posten der Sekretärin führt Frau Buttler geb. Horn aus. Die Spenden von Millington Hermann, Fabrikanten, Geschäftsleuten, Handwerksmeistern und Landwirten ermöglichen den Bau eines Hanggleiters. Erste Gummiseilstarts an einem Hang bei Limbach, effektiver werden in der Folgezeit Autoschlepps. Die Flugzeuge werden von Oschatz per Pferdewagen zum Startplatz transportiert. In kurzer Zeit zählt der Verein zirka 40 Mitglieder.
Es wird nach weiterem geeignetem Gelände zum Fliegen gesucht, fündig wird man in der Dahlener Heide bei Bucha und auf dem Liebschützberg.

1934

Lehrgänge zum Bau von Segelflugzeugen in der Kaserne – Grüne Post und Zögling

Das Arbeitsamt Oschatz organisiert Lehrgänge zum Bau von Segelflugzeugen, um die große anstehende Arbeitslosigkeit zu mildern (gebräuchlicher ist uns heute der Ausdruck: Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen). Die meisten Teilnehmer bilden den aktiven Kern der Flieger Ortsgruppe Oschatz, Landesgruppe XII Sachsen e.V. Der Chefbastler Walter Worlitzer baut das Segelflugzeug Grüne Post, die Mitglieder der Ortsgruppe einen Zögling.
Die Werkstatt befindet sich in einem Keller der ehemaligen Kaserne Dresdner Straße 14, später in der Spinnerei Marthaus. Werkstattleiter ist Richard Kluge. Das Wissen über die erste Etappe des Flugsportes verdanken wir Gerhard Richter, Mitglied der Fliegerortsgruppe und späteres Mitglied des Fliegerclubs Oschatz.

1935

Bau des Oschatzer Fliegerhorstes und unseres Peilhaus Vereinsgebäudes

In diesem Jahr wird mit dem Bau des Oschatzer Fliegerhorstes begonnen, dazu gehört auch das Peilhaus – unser jetziges Vereinsgebäude. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nutzt man das Gebäude als Wohnstätte bis Mitte der 1970er Jahre.

1936

Ausbildung der Deutschen Luftwaffe in Oschatz

Spricht man von den Oschatzern Fliegern, zählen auch die Angehörigen der AB 61 (Ausbildungsschule 61) und die LKS 3 (Luftkriegsschule 3) dazu. Vom 1. Januar 1936 bis zum 15. März 1945 erhalten junge Männer auf dem Fliegerhorst ihre Grundausbildung, absolvieren obligatorisch eine Segelflugausbildung und werden zum Flugzeugführer für die Deutsche Luftwaffe ausgebildet.

1937

Erster Weltmeister im Segelflug mit einem Fafnir II

Auf der Wasserkuppe/Rhön wird der 1. Internationale Segelflugwettbewerb durchgeführt. Am dritten Wertungstag landet Heini Dittmar mit einem Fafnir II bei Oschatz. Aus diesem Wettkampf geht der Pilot als Sieger hervor, nachträglich wird 1950 dieser Wettbewerb als erste Weltmeisterschaft im Segelflug deklariert und Dittmar wird 1. Weltmeister.

1941

Wüstes Schloss, Schädelspalter und Rettungsfallschirme

Werner Kriegel nutzt die Beziehungen seines Freundes, dessen Vater Kommandant des Fliegerhorstes ist, seine fliegerische Ausbildung zu beginnen. Geflogen wird an einem 200m langen Hang in der Nähe des Wüsten Schlosses. Geschult wird mit Gummiseilstarts auf dem Zögling 35 und Grunau 9.
Anmerkung: 1929 konstruierten Fritz Stammer den Zögling 35 und Edmund Schneider die Grunau 9, die spöttisch „Schädelspalter“ genannt wurde. Aus beiden Schulgleitern entstand 1938 der vom Fliegerfest bekannte SG-38 von den Fliegerfreunden aus Nardt.
Ein geeignetes Feld für Windenstarts findet man in Otterwisch bei Grimma. Zur Flugzeug-Schleppausbildung fährt man nach Roitzschjora und fliegt mit dem doppelsitzigen Kranich und dem Grunau Baby II b. Dieser Einsitzer ist das erste Segelflugzeug, welches mit einem Rettungsfallschirm geflogen wird.

1947

Flugmodellbau auf dem Kirchplatz

Die Gründung der FDJ (Freie Deutsche Jugend) am 7. März schafft die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen für den Flugmodellbau. Eine Werkstatt findet sich auf dem Kirchplatz. Das erste naturgetreue Modell Moazagotl wird gebaut. Sehr beliebt sind Fesselflugmodelle. Bei vielen Modellfliegern wird der Wunsch erweckt, selbst ein Segelflugzeug steuern zu können.

1952

Flug-und Fallschirmsport für die Jugend für 0,25 DM im Monat

Am 7. Juli erfolgt die Gründung der GST (Gesellschaft für Sport und Technik). Es ist eine vormilitärische Jugendorganisation. In ihr finden unter anderem der Flug-und Fallschirmsport sowie der Flugmodellbau ein Zuhause. Die benötigte Technik wird kostenlos zur Verfügung gestellt, der Monatsbeitrag für Schüler und Lehrlinge beträgt 0,25 DM.
Die neuen Segelfieger sind Elvira Bäurich geb. Marx, Werner Pinkert, Hans-Georg Kretzschmar und die Kameraden Hinze und Schubert.
Werner Pinkert absolviert an der zentralen Flugschule in Laucha einen Lehrgang zur Ausbildung als Fluglehrer. Die fliegerische Ausbildung der Piloten wird in Höfgen bei Grimma, Riesa-Göhlis, Canitz, Leipzig-Mockau, Taucha und in Roitzschjora durchgeführt.

Ablauf der A-Prüfung:

  • Mindestens 25 Starts auf dem SG-38
  • 4 Prüfflüge von mindestens je 20 Sekunden
  • 1 Flug mit mindestens 30 Sekunden unter der Bedingung eines einwandfreien Geradeausflugs
  • Die Landung soll in einer 30 m breiten Zielgasse erfolgen.

Die A-Prüfung soll fliegerische Disziplin und Flugstil unter Beweis stellen. Abschließende Worte aus der Flugbetriebsordnung von 1952:
„Den Segelflug erlernen kann jeder körperlich und geistig gesunde Mensch. Es ist ein Sport, der zu Mut, Entschlossenheit und Ausdauer erzieht. Das sind Eigenschaften, die wir beim Aufbau unserer Deutschen Demokratischen Republik und beim Aufbau des Sozialismus benötigen.“

1955

Werner Pinkert organisiert den Theorieunterricht für die Segelflieger in der Oschatzer Waagenfabrik. Die Werkstatt befindet sich in der Hospitalstraße Nr. 25 im Hinterhof des Geschäftes Humburg, gebaut wird an einem SG-38
Bestandsaufnahme: 1 Fluglehrer, 1 Flugzeug, Flugschüler aber kein Flugplatz!

1956

Am Hutberg pendeln mit dem SG-38. Der Schulgleiter wird bei stärkerem Wind in einen Pendelbock gehangen und dient als Vorübung zum Segelflug. Ziel der Übung ist es, die Zeitdauer zwischen Gefühl und Bewegung durch entsprechende Ruderausschläge ständig zu verbessern. Im August nehmen je 12 Oschatzer und Leipziger Kameraden in Leipzig-Mockau an einem fliegerischen Lehrgang teil. Das Ziel ist hoch gesteckt: 1000 Starts damit alle Teilnehmer ihre A-Prüfung ablegen können. Schlechte Wetterbedingungen machen den Piloten sehr zu schaffen. Auch die Maßnahme, schon früh um 3 Uhr aufzustehen, um die windstillen Morgenstunden zu nutzen, lassen nur 394 Starts zu.
Der Theorieunterricht findet in Oschatz in der Station „Junge Techniker“ in der Dresdener Straße statt.

1957

Stützpunktleiter des Flugplatzes Oschatz wird Werner Pinkert bis 1974. Die Kameraden werben für die Zeitschrift ,,Sport und Technik“ und gewinnen bei der Werbeaktion das zweisitzige Schulflugzeug Lehrmeister FES DM-3080. Der Testpilot Kurt Götze landet am 4. Oktober mit dem FES auf dem Oschatzer Platz, der zu dieser Zeit noch ein Stoppelfeld ist. Da es noch keine Flugzeughalle gibt, wird das Flugzeug im Spritzenhaus der Feuerwehr untergestellt.
Anlässlich des Tages der Republik am 7. Oktober findet erstmals auf dem Flugplatz eine Flugschau statt. Nach einigen Trainingsflügen mit erfahrenen Fluglehrern aus Schkeuditz, können die ersten Gäste mit dem FES mitfliegen. Leider muss bei dem neuen Segler eine Reparatur durchgeführt werden, auf Grund der Bodenwellen auf dem Feld reißt das Ventil des Bugrades bei einer harten Landung aus. Parallel zur Veranstaltung werden die Herbstmeisterschaften im Modellflug ausgerichtet.
Anmerkung: FES ist die Abkürzung für Forschungs- und Entwicklungsstelle Segelflug. Die Flugzeuge werden vom VEB Apparatebau Lommatzsch gebaut und Generationen von Flugschülern bekommen auf dem FES ihre ersten fliegerischen Erfahrungen vermittelt.
Am 13. Oktober findet im Thomas-Müntzer-Haus ein Presseball der GST statt. Das neue Segelflugzeug wird aufgerüstet den Gästen vorgestellt.
16 Oktober: Beschluss des Rat des Kreises Oschatz: Übergabe von 24 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche an die GST zur Errichtung eines Flugplatzes. Im Gegenzug erhält das Amt für Landwirtschaft die Auflage, 1958 24 Hektar Ödland nutzbar zu machen.

1958

Die alte Flugbetriebsfläche, des ehemaligen Fliegerhorstes, wird mit Hilfe der Roten Armee und der MS (Maschinen-Traktoren-Station) hergerichtet. Das heißt umackern, eggen und Grasaussaat. Bis auf dem neuen Flugplatz eine richtige Grasfläche gewachsen ist, fliegt man bis August in Roitzschjora.
Laut Plan innerhalb der GST zur Mitgliederentwicklung sollte die Oschatzer Sektion Segelflug 75 Mitglieder umfassen. Tatsächlich sind nur 47 Kameraden organisiert. Man liegt nur bei 63 % Planerfüllung!
Es wird mit dem Bau einer Flugzeughalle begonnen. Im Rahmen des NAW (Nationales Aufbauwerk) beteiligen sich die Kameraden des Stützpunktes, volkseigene Betriebe aus der Region, Soldaten der NVA (Nationalen Volksarmee) und sowjetische Soldaten am Hallenbau. Die geplanten Kosten für den Bau belaufen sich auf 95000 DM, davon werden durch 9 235 Aufbaustunden 33000 DM eingespart.
Vom 18.8.-31.8. findet der erste Sommerlehrgang in Oschatz statt. Dabei wird versehentlich, das am Boden stehende Segelflugzeug Baby II b von sowjetischen Soldaten, die in der westlich vom Platz gelegenen Kaserne stationiert sind, angeschossen. Personenschaden entstand nicht, trotzdem quittiert der am Flugzeug stehende Pilot seinen Dienst bei der GST.
Die Kosten für die Reparatur von 212 DM werden vom verantwortlichen Politoffizier beglichen. Außerdem sichert er Hilfe beim Hallenbau zu.

1959

Am 28. Juni erfolgt die Einweihung der Flugzeughalle. 3500 Zuschauer verfolgen eine große Flugschau. Abgesichert wird die Flugveranstaltung von 10 Genossen der Volkspolizei, 15 freiwillige Helfer der Volkspolizei, 60 Genossen der 1. und 4. Hundertschaft der Kampfgruppe und von 40 Kameraden der GST.
Anmerkung: Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse waren eine paramilitärische Organisation von Beschäftigten in den Betrieben der DDR.
Zur Verpflegung der zu erwartenden Gäste werden HO (Handelsorganisation) und Konsum aufgefordert mit je 2 Ständen den Bedarf mit Speisen und Getränken abzusichern. Abends feiern die Oschatzer Segelflieger mit ihren Aufbauhelfern auf einem Fliegerball im Thomas-Müntzer-Haus. Als Anerkennung für die geleisteten Arbeiten erhalten die Oschatzer Flugsportler vom Bezirksvorstand der GST das einsitzige Segelflugzeug Meise DM-2192 zugeteilt
Die ersten Fluglehrer sind Hugo Faust, Werner Kadner, Walter Michael und Werner Pinkert.

1960

Unter der Leitung von Werner Plath gründet sich die Sektion Fallschirmsprung. Der Theorieunterricht dazu findet wiederum in der Waagenfabrik statt, die praktische Ausbildung vorerst in Leipzig-Mockau. Ende Juli 1962 wird in Oschatz der erste reguläre Fallschirmsprungbetrieb durchgeführt. Als Absetzmaschine kommt aus Leipzig die Brigadyr L-60 mit dem Kennzeichen DM-WHJ.

1961

Im März findet ein Frühjahrslehrgang bei sehr schlechtem Wetter statt. Ein Zeitzeuge berichtet: „Wir führten Theorieunterricht durch oder es wurde der Fußboden in der Flugzeughalle betoniert. Es war eine entmutigende Arbeit, auf dieser großen Fläche mit zwei Schubkarren Beton mischen – da war jede Karre ein Tropfen auf den heißen Stein.“
Im Sommer soll mit einem Betonmischer der restliche Fußboden hergerichtet werden. Das größte Problem ist: der Flugplatz besitzt keinen Stromanschluss. Hilfe kommt von der Roten Armee. Der sowjetische Kommandant stellt ein Dieselaggregat inklusive eines Soldaten, als Bedienungspersonal, zur Verfügung. Einzige Bedingung: Vollverpflegung! Besteck hat der Soldat in einem Stiefel, im anderen Werkzeug mit dem er auch die Rückholwinde repariert, als die Meinung der Kameraden über die Verfahrensweise der Reparatur eskaliert.
Am 2. August findet eine Flugveranstaltung statt. Während in Berlin am 13. August mit dem Bau der Mauer (offiziell: der antifaschistische Schutzwall) begonnen wird, fliegt man in Oschatz noch unbekümmert weiter. Zu dieser Zeit haben die Windenfahrer einen besonderen Job. Einen LKW zum Bewegen der Maybachwinde gibt es nicht. Bei Westwind muss ein sowjetischer Kraftwagen angehalten und den Fahrer gebeten werden, die Winde an den westlichen Platzrand zuziehen. Abends ging das gleiche Spiel zurück, hatte man kein Glück, blieb die Winde stehen.

1962

Im April erreicht auch Oschatzer Segelflieger die erste Säuberungswelle innerhalb der GST.
Flugsportler mit Verwandtschaft im ,,Westen“ werden wegen möglicher Republikflucht vom Flugsport ausgeschlossen. Diese Verfahrensweise wird von den Kreis- und Bezirksvorständen der GST bis zum Aus dieser Organisation 1990 praktiziert. Die Betroffenen reagieren meist mit riesiger Wut und großer Trauer darauf.

September: 7250 Starts seit dem Neubeginn 1958
Bestandsaufnahme:

  • 1 Maybachwinde
  • 2 Rückholwinden
  • 4 Fluglehrer
  • 4 Windenfahrer
  • 2 Doppelsitzer Lehrmeister FES DM-3080, DM-3323
  • 2 Einsitzer Lommatzscher Meise DM-2192, DM-2174
  • 1 Gotha Baby II b DM-1164
  • 2 Lommatzscher Baby II b DM-1655, DM-1163
  • 1 LKW

Anmerkung: Der VEB Wagonbau Gotha produziert von 1953-1960 den Schulgleiter SG-38, den Übungseinsitzer Baby II b und das doppelsitzige Schulflugzeug FES. Von 1955 bis 1963 werden Segelflugzeuge im sächsischen Lommatzsch im VEB Apparatebau gebaut, wie: das Baby II b, der FES /Lehrmeister, die Meise, die Libelle und der Favorit.
Ab 1964 werden in Lommatzsch nur noch Grundüberholungen an den Segelflugzeugen vorgenommen und Ersatzteile verkauft.
Auf Beschluss des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) werden Segelflugzeuge künftig aus der Volksrepublik Polen importiert. Hersteller ist: Zaklady Sprzetu Lotnictwa in Bielsko-Biala.

1963

„Flugsportler verwirklichen die Beschlüsse des 6. Parteitag der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) in dem sie sich zu 100 NAW-Stunden verpflichten und versprechen die vom Arbeiter- und Bauernstaat zur Verfügung gestellten Ausbildungsflugzeuge gut zu warten“.
Am 20. Juni startet Werner Pinkert auf dem FES DM-3080 zum 1 250. Mal.
Sommerlehrgang vom 20.7.-4.8.1963 mit dem Ziel: Qualifizierung junger Segelflugpiloten, die einmal bei den Luftstreitkräften der NVA ihren Dienst ausüben wollen und Förderung des Leistungsflug.

Wörterbuch für alle, die nicht zu GST-Zeiten groß geworden sind:

  • Kaderstempel: Wird vom GST-Kreisverband für ein Jahr ausgestellt und bestätigt die Ausbildung im Flugsport.
  • Winkkelle: Mit 2 Kellen von ca. 100 cm Durchmesser ie eine am Start und eine auf der Winde werden Informationen übermittelt. Der Winker auf der Winde muss die Signale bestätigen.
  • Wendezeichen: für fremde Streckenflieger ausgelegt und dienten zur Dokumentation der Wendung über einem Flugplatz.
  • Leuchtpistole: Da es keine Funkverbindung zwischen Flugzeug und Boden gibt werden in außergewöhnlichen Situationen Leuchtkugeln abgeschossen, die folgende Bedeutung hatten: Grün – Landeaufforderung, Rot – Gefahr, Weiß – Erste Hilfe wird benörigt. Aus Sicherheitsgründen verschließt man die Pistole in einem echten Tresor nach dem Flugbetrieb.
  • Trimmbombe: Beim Baby II b ist die Schwerpunktlage mit einem Pilotengewicht von 65-75 kg angegeben. Abweichungen werden mit Trimmgewichten ausgeglichen. Diese Gewichte befestigt zwischen den Seitenruderpedalen.
  • Rückholwinde: Mit dieser neben der Segelflug-Startstelle aufgebauten kleinen Seilwinde wird das Schleppseil von der Winde zum Start gezogen.
  • BSF-Flug: Einsitzige Schulmaschinen müssen von einem Fluglehrer durch einen von ihm persönlich durchzuführenden Sicherheitsflug überprüft werden.

1964

Am 31.5. findet eine große Flugveranstaltung statt. Im Vorfeld erging ein Antrag an den Zentralvorstand der GST um die Genehmigung von 10 Gastflügen! Normaler Weise ist die Mitnahme von Fluggästen strengstens untersagt.
Während des Sommerlehrganges fabriziert der Leiter des Bezirksausbildungszentrum der GST und Pilot des Treners nach einem F-Schlepp bei böigen Wind eine Landung mit Kopfstand. Dabei geht der Schlepp-Propeller zu Bruch. Die Latte hängt seitdem über der Tür zur Holzwerkstatt. Nach Schließung des Flugplatzes 1976 kauft Wolfgang Pollmer das Teil dem Kreisvorstand der GST für 40 Mark ab. 1990 kehrt die geschichtsträchtige Luftschraube von Oschatz/ Kleinforst wieder an ihren alten Standort zurück.

1965

27.7.-13.8. Sommerlehrgang: Ein Antrag wird an den Rat des Kreises Oschatz Abteilung Handel und Versorgung gestellt, um die Verpflegung der Lehrgangsteilnehmer mit täglich von ca. 2,5kg Butter und ca. 5kg Wurst abzusichern.
Die Übernachtung zu den Lehrgängen erfolgt in zwei Holzgaragen (jetzt neue Halle) anfangs auf Strohsäcken, später in Doppelstockbetten. Die Mädchen dürfen in einem ausgedienten Eisenbahnwagon schlafen (genannt der rosa Salon). In der zweiten Hälfte des Wagons befindet sich eine sehr spartanisch eingerichtete Küche. Außerhalb von Lehrgängen ist es nicht üblich auf dem Flugplatz zu übernachten.

1966

Sommerlehrgang mit den Fluggruppen aus Grimma und Borna bei Leipzig. Ende Dezember wird das Notstromaggregat durch einen Stromanschluss an das Oschatzer Netz ersetzt.

1967

23. Juli Flugschau anlässlich des 15. Jahrestages der GST.
Das Gotha Baby II b DM-1164 wird im Oktober aus dem Flugzeugregister gelöscht. Der neue Standort ist der Spielplatz in der Straße der Einheit in Oschatz und erfreut dort viele Kinder. Auf diesem Platz spielen auch Steffen und Michael Siegemund und Uwe Weber. Sie werden später Mitglieder des Fliegerclubs Oschatz.

1969

Das besondere Vorkommnis am 27. Juli! Ein Trener ist aus Leipzig zum F-Schlepp da. Kurz vor der angesagten Flugsperre 12 Uhr fliegt die Schleppmaschine nach dem Auskuppeln nicht sofort zurück sondern landet am hinteren Platzrand. Nach wenigen Minuten startet das Flugzeug wieder Richtung Leipzig. Der Pilot hat seine Ehefrau auf dem Heimflug mitgenommen. Die Folgen sind Meldungen an die Flugüberwachung und an das Bezirksausbildungszentrum der GST.
Jeder Flugbetrieb ist bei dem GST Sonderplatz Neuenhagen bei Berlin telefonisch an- und abzumelden. Von dieser Institution erhält man Freigaben zum Fliegen, oft sind es aber mehr Flugsperren, manchmal auch stundenweise Freigaben. Die Rote Armee, die NVA-Luftstreitkräfte und Regierungsflieger beanspruchen einen Großteil des DDR Luftraumes für ihre Nutzung.
In dieser Zeit ist es aus Sicherheitsgründen üblich, den Flugplatzschlüssel abends bei der Deutschen Volkspolizei abzugeben.

1970

Im Sommerlehrgang wird das Segelflugzeug Meise nach einer Außenlandung mit dem LKW zurückgeholt. Im Normalfall nichts Ungewöhnliches, aber diesmal sind die Flächenbolzen verschwunden. Der materielle Wert wird von der Flugplatzleitung auf 240 Mark beziffert. Aus diesem Grund findet am nächsten Tag die größte Suchaktion in der Flugplatzgeschichte statt.
Die Lehrgangsteilnehmer müssen eine Kette bilden und die Straßengräben bis zum Ortseingang von Oschatz absuchen, aber ohne Erfolg. Drei Kameraden rebellieren wegen dieser Aktion und geben ihre Flugbücher ab. Am Ende des Lehrganges gibt es zwei neue Bolzen, die noch während des Lehrganges für 18 Mark in Lommatzsch gekauft werden. Leider gibt es auch drei Flugschüler weniger.
Im September erhalten auch die Oschatzer Piloten ein nagelneues polnisches Segelflugzeug. Auf dem Güterbahnhof in Dresden wird der Bocian DM-3215 in Empfang genommen.
Dr. Ullrich Hofmann wird Mitglied der Segelkunstflugstaffel der DDR, genannt das ,,Riesaer Luftballett“. Er fliegt in der Juniorenstaffel, die in Formation anfangs mit drei Bocian, später mit drei Piraten exzellenten Segelkunstflug zu Flugschauen präsentieren. Die Staffel wird 1977 aufgelöst.

1971

Mathias Müller entwirft einen kleinen Spatz als Maskottchen für die Flugzeuge. Aber der Spatz leidet unter dem Regime der GST. Das Bekleben von Flugzeugen ist verboten! 1990 wird der Spatz aus der Versenkung geholt und ziert seitdem jedes Oschatzer Flugzeug.
Für die gezeigten Initiativen im Leninjahr wird den Flugsportlern vom Bezirksvorstand der GST Dank und Anerkennung ausgesprochen.
Im Sommerlehrgang erfolgt der erste Start mit dem Einsitzer Pirat DM-1790, Pilot ist der Jungfluglehrer Gert Polster. Den zweifelhaften Höhepunkt dieses Lehrganges bildet eine ganztägige Flugsperre, die genutzt wird, das abgelaufene Lommatzscher Baby II b DM-1655 zu zersägen. Einzelne Teile werden mit nach Hause genommen und der Rest abends beim Lagerfeuer verbrannt (gebräuchlich war der Ausdruck: warm abgerüstet). Von Traurigkeit ist keine Spur, auf uns warten viel schönere und modernere Segelflugzeuge.

1973

Auf der Frühjahrsmesse in Leipzig präsentieren die polnischen Flugzeugbauer stolz ihre Neuentwicklungen. Das Segelflugzeug Pirat DM-1830 wird nach der Ausstellung direkt nach Oschatz gebracht. Es werden 3 Wochen Sommerlehrgang geplant. Jeder Lehrgangsteilnehmer erhält von seinem Betrieb eine bezahlte Freistellung von der Arbeit, die Grundlage dafür ist das Arbeitsgesetzbuch der DDR $ 182 über die Freistellung von Sportlern und Funktionären. ,,Die wichtigste Aufgabe der GST besteht darin, die Vorbereitung der Jugend auf den Ehrendienst in der NVA und anderen bewaffneten Organen sowie die Wehrbereitschaft und Wehrfähigkeit der Werktätigen weiter zu fördern“. Um die von der Partei der Arbeiterklasse gestellten Aufgaben würdig zu erfüllen, werden die Direktoren der Betriebe fast genötigt, die Freistellung zu genehmigen. Von den 21 Tagen sind von der Flugüberwachung rückblickend 15 Tage Flugsperre angeordnet. Immerhin erklären sich fünf Kameraden bereit, die Offizierslaufbahn bei den Luftstreitkräften der NVA einzuschlagen.
Die Laufzeit des legendären FES DM-3080 ist nun ebenfalls abgelaufen. Die Steuerseile werden entfernt und der Segler der Jugendherberge Dahlen als Spielgerät übergeben.

1974

Flugzeugpark: Bocian DM-3215, die Piraten DM-1830 und DM-1790, der FES DM-3323 und DM-3189, die Foka DM-2049 und DM-2240, die Libelle DM-2513 und die Meise DM-2192. Stürzpunktleiter wird Peter Eckhardt bis 1975. Das „silberne“ Lommatzscher Baby DM-1633 wird aus dem Dienst genommen. Nach einer größeren Reparatur war dieses Flugzeug zu schwer geworden. Der Techniker Jürgen Westerritzscher versah den Segler mit einem silbernen Anstrich, der deutlich leichter als herkömmlicher Lack ist.

1975

Am 6. Juli startet die Meise DM-2192 zum letzten Flug. Pilot Mathias Müller bringt sie noch einmal auf eine Höhe von 1900 m und auf eine Flugzeit von 2:20. Am Boden wartet schon der Bezirkstechniker. Das Bordbuch wird als ungültig deklariert und anschließend zerhackt man das Flugzeug. Der Sommerlehrgang wird in Leipzig-Schkeuditz durchgeführt, da auf diesem Flugplatz nicht mit Flugsperren zu rechnen ist. Leiter des Flugplatzes wird Dieter Hantzsch.

1976

Am 25. April geschieht das Unfassbare! Nach dem Flugbetrieb steht fest, es war das letzte Mal, dass in Oschatz Segelflugzeuge gestartet sein sollen. Peter Köhler ist an dem Tag Flugleiter, Fluglehrer: Manfred Sorge und Jürgen Westerritzscher. Junge Kameraden, die ein Moped besitzen, nutzen die Gunst der Stunde und betanken ihre Fahrzeuge mit dem restlichen Benzin, welches für die Schleppmaschine bestimmt war.
Der Flugplatz wird offiziell nicht geschlossen, sondern lediglich abgemeldet. Das machte das Ende 1976 zwar nicht weniger schmerzhaft, den Neubeginn 1990 dafür aber umso schneller möglich.
Anmerkung: Zum Ende der DDR wurde noch an 37 Flugplätzen Flug- und Fallschirmsprungbetrieb betrieben.
Die 72 in den Anfangsjahren von der GST genutzten Plätze waren durch politische Entscheidungen, entgegen den Interessen der Luftsportler, auf die besagte Zahl gekürzt und rigoros geschlossen worden.
Der Pirat DM-1830 und der Bocian DM-3215 werden nach Riesa-Canitz gebracht, der FES DM-3323 fliegt auf dem Flugplatz in Böhlen weiter und wird 1983 außer Dienst gestellt. Die Libelle DM-2513 wird dem Flugplatz Roitzschjora zugeteilt. 1980 sind die 20 Jahre der Zulassung erreicht.
Das Flugzeug muss nach Anweisung des Zentralvorstandes der GST entsprechend der staatlichen und betrieblichen Festlegungen verschrottet werden. Die missbräuchliche Nutzung der Flugzeuge ist verboten! Die Piloten organisieren eine Scheinverbrennung und verstecken die Libelle auf dem Hallenboden. Aus Angst, verraten zu werden, sägen sie später das Leitwerk vom Rumpf ab. Das Segelflugzeug befindet sich 2010 im Wiederaufbau!
Einige Kameraden nutzen die Möglichkeit auf den Plätzen in Riesa-Canitz, Taucha, Roitzschjora und Böhlen weiter zu fiegen.

1977

Auf dem stillgelegten Flugplatzareal beginnt der Umbau zum Kreisausbildungszentrum der GST. Die Halle wird vorerst als Getreidelager und zur Unterstellung von landwirtschaftlichen Geräten genutzt.

1978

Westlich der Halle versiegelt man einen Appellplatz mit einer Schwarzdecke. Außerdem erfolgen die Einzäunung des Objektes und die Errichtung eines Kleinkaliberschießstandes mit 30 Bahnen am östlichen Platzrand.
Vor der Windenwerkstatt entsteht eine Sturmbahn und in der Halle wird ein Luftgewehrschießstand mit 15 Bahnen eingerichtet. Jährlich werden Wehrkreisspartakiaden in den Disziplinen Militärischer Mehrkampf, Sportschießen und Motorsport ausgerichtet. In der Berufsschulausbildung ist die vormilitärische Ausbildung test integriert, durchgeführt wird sie auf dem Gelände.

1979

Es beginnt eine schöne Tradition. Die ehemaligen Oschatzer Flugsportler treffen sich jährlich im Oktober in der Gaststätte Goldene Höhe. Durch diese Kontakte ist es 1990 relativ einfach, genügend Enthusiasten für einen Neuanfang zu aktivieren.

1982

Das Peilhaus wird für 48 500 Mark saniert. Traditionsgemäß findet in der letzten Februarwoche die „Woche der Waffenbrüderschaft“ auf dem Ausbildungszentrum statt. Angehörige der NVA, der Roten Armee, der Zivilverteidigung, der Kampfgruppen und der GST treffen sich zu einem Wettkampf im Sportschießen. Abends wird im Peilhaus gemeinsam gefeiert.

1990

Vom 6.-8. April sammelt Wolfgang Pollmer Unterschriften zur Gründung des Fliegerclub Oschatz e. V. Insgesamt 65 Segelflieger, Familienangehörige und Anhänger des Luftsportes unterzeichnen den Antrag. Am 10. April wird der Verein unter der Nr. 2 in das Vereinsregister des Kreisgerichtes eingetragen.
Rings um die östliche Hälfte des Flugplatzes fallen die Zäune, während auf der westlichen Hälfte noch ein Getreideschlag der LPG Altoschatz steht. Das Problem der Demontage der Sturmbahn ist schnell gelöst. Sowjetische Soldaten bekunden ihr Interesse an der Bahn. Bezahlt wird der Abbau mit 60 Zaunsäulen und vier Flaschen Schnaps.

Am 8. September erhebt sich nach 14 Jahren Zwangspause erstmals wieder ein Segelflugzeug vom Oschatzer Flugplatz. Am Steuerknüppel sitzt der 1. Vorsitzende des Fliegerclubs Wolfgang Pollmer. Er begleitet dieses Amt bis 2001. Flugleiter am ersten Wochenende ist Peter Köhler. Samstag finden 60 Starts und am Sonntag sogar 102 Starts statt.
Der Flugzeugpark: Bocian DDR-3018, Foka 4 DDR-2045 aus Groß-Deuben, die Piraten DDR-1898, DDR-1745 und der Bocian DDR-3057 aus Roitzschjora, Pirat DDR-1733 aus Taucha.
Anmerkung: Die Anfangsbuchstaben ,,DM“ der Luftfahrzeugkennzeichen wurden 1980/81 in ,,DDR“ geändert. 1991 erhalten alle Flugzeuge einheitlich das „D“.

1991

Der Luftsportverein Lippe Südost e.V. ist in der Oschatzer Partnerstadt Blomberg beheimatet. Im Frühjahr besucht eine Delegation unseren Club und überreicht uns als Geschenk den roten Segelflugzeugtransportanhänger. Ein Gegenbesuch findet im Mai zum 60jährigen Flugplatzjubiläum in Blomberg statt.
Neu: Wir besitzen ein Video von einem Piraten, der bei der Landung zu Bruch geht, leider ist es unser eigener: D-1889. Der Pilot ist unverletzt und das Flugzeug konnte wieder aufgebaut werden.
Unsere Nachbarn am westlichen Flugplatzrand verlassen uns. Das 175. sowjetische Garderegiment wird in die Heimat zurückverlegt. Mit im Gepäck haben sie 18 taktische Trägerraketen.
Erstmals wird am letzten Flugbetriebstag des Jahres Abfliegen gefeiert. Mit einem Ziellandewettbewerb, der Oscarverleihung (für Verdienste im Verein) und einer Party in der Holzwerkstatt beenden wir die Flugsaison.

1992

Oschatzer Segelflieger laden zum 1. Fliegerfest ein. Das zeitgemäße Motto lautet: „Fliegen verbindet“. Piloten mit 21 Maschinen, Fallschirmspringer und ein Heißluftballon folgen dieser Einladung nach Oschatz.

1993

Am 3. April werden viele Fluggäste erwartet. In Ermanglung einer eigenen Motormaschine wird eine Wilga mit Pilot gechartert. Bei einem Rundflug muss der Pilot mit seinen Gästen bei Lampersdorf eine Notlandung durchführen. Der Grund ist Spritmangel, verursacht durch eine defekte Kraftstoffanzeige in der Maschine. Der Pilot und seine Gäste überstehen die Landung mit leichtem Schrecken. Aber wie kommt die Wilga wieder auf den Flugplatz zurück? Es ist ein glücklicher Umstand, dass die Straße zwischen Oschatz und Lampersdorf wegen Bauarbeiten gesperrt war. Der mehrstündige Rücktransport auf der Straße ist schon heute zur Legende geworden.

Beginn der Ausbildung zum Motorseglerpilot unter der Regie von Jürgen Westerritzscher auf dem Falken D-KALM.
Auch das 2. Fliegerfest steht unter einem Motto: ,,Es ist mal wieder Hammerwetter“. Leider wechselt von Freitag auf Samstag die Wetterlage und wir stehen bei tiefen Wolken und Dauerregen bis Sonntag auf dem Boden. Der Umsatz im Bierzelt an diesem Wochenende ist bis heute unübertroffen. Der Fliegerclub erhält vom Luftsportverband das Motorflugzeug Wilga D-EWRH zugeteilt.

1994

In diesem Jahr werden sämtliche Eigentumsverhältnisse geklärt. Bis dahin verwaltete die Treuhandanstalt sämtliches Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR. Der Wert aller Flugzeuge und Flugplätze der GST wird immerhin auf 11 Millionen DM beziffert. Da ist es nicht verwunderlich, dass ständig private Interessenten bei der Treuhandanstalt anklopfen, um Flugtechnik abzukaufen. Aber da hatten sie nicht mit dem Deutschen Aeroclub gerechnet. Dieser vertritt die Ansicht, dass die Flugzeuge an die Vereine und die Flugplätze an die Kommunen zu übergeben sind.
Dass die Flugzeuge ihren Weg in die Vereine gefunden haben, verdanken sie nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz des Leiters des Ausschusses „5 neue Bundesländer“ vom Deutschen Aeroclub: Theo Rack.
Am 18. März findet im Ausbildungszentrum der Feuerwehr am Flugplatz die feierliche Übergabe der Flugzeuge statt. Anwesend sind Theo Rack, der Präsident des Luftsportverbandes Dr. Jochen Seifert, der Geschäftsführer des Luftsportverbandes Lutz Kern sowie 23 Vertreter von sächsischen Flugplätzen.
Von der Treuhandanstalt muss dennoch die Winde Herkules-3 für 50 DM und die Herkules-4 für 500 DM abgekauft werden. Der Fliegerclub beschließt, ein neues doppelsitziges Segelflugzeug zu kaufen.

Die Wahl fällt auf die ASK 21 von der Firma Schleicher. Sponsoren von 37 Firmen aus Oschatz und Umgebung sowie Privatpersonen und 40% Eigenkapital des Vereines ermöglichen den Kauf. Das Flugzeug wird per F-Schlepp mit unserer Wilga von der Wasserkuppe abgeholt. Zum Fliegerfest tauft der amtierende Bürgermeister Dr. Förster die ASK 21 D-2002 auf den Namen „Stadt Oschatz“, als Dankeschön an alle Sponsoren.
1. Fliegerlager in Lanzen-Turnau/Österreich, der Bocian D-8018 wird auf Alpentauglichkeit geprüft. Es entwickelt sich eine jahrelange Tradition, später mit der ASK 21 auf dem Flugplatz in Turnau zu fliegen. Rund 50% aller Clubmitglieder nutzten die Möglichkeit die Schönheit des Alpensegelfluges zu erkunden.
Die Wilga D-EWRH wird dem Luftsportverband zurückgegeben und die neue Wilga ist die D-EWRQ, sie versieht gute Dienste bis April 2003, als bei einer Landung mit starkem Seitenwind in Riesa Totalschaden entsteht.
Eine Zitterpartie beginnt! Mit der Projektierung und folgenden Vermessungsarbeiten zum Bau der Otto-Lilienthal-Straße wird die originale Grenze des Flugplatzes ermittelt. Mit Erschrecken müssen wir feststellen, dass sich die genutzte Flugbetriebsfläche um 150 m über die westliche Grenze erstreckt.

1995

Der Fliegerclub erhält als Ausgleich 2 Hektar am östlichen Platzrand zugesprochen. Dr. Ullrich Hofmann verhandelt diese schwierige Grundstücksfrage.
Das Sommerlager findet mit Gästen aus Bottenhorn, Delmenhorst, Canitz, Großrückerswalde und Taucha statt.
Die Mitgliederversammlung beschließt den Kauf des polnischen Segelflugzeuges SZD 55 D-4555.
Aus einem Seitenleitwerk aus Roitzschjora, einer Tragfläche aus Dessau und einem Höhenleitwerk aus Rostock wird in Polen der Pirat D-5833 aufgebaut.

1996

Der Fliegerclub Oschatz richtet die 3. Sächsischen Staatsmeisterschaften im Segelflug aus. Es ist zugleich der letzte Wettbewerb in dieser Kategorie. Wegen mangelnder Teilnahme in späteren Jahren wird dieser Qualifizierungswettkampf zum Beispiel mit dem Heidepokal und dem Pokal der alten Langohren verbunden.
Die Piloten Prof. Dr. Karl-Heinz Dannhauer, Dirk Hochtritt und Dr. Ullrich Hofmann erkunden bis 2003 das Segelfliegen in Südfrankreich. Ausgangspunkt ist der Flugplatz in Serres bei Gap.

1998

Es ist geplant, bei Thalheim einen Windpark zu bauen. Unser Kampf richtet sich gegen den Bau, denn es wird befürchtet, dass die bis zu 93 Meter hohen Windräder eine Gefährdung der Flugsicherheit verursachen könnten
Führung der Verhandlungen übernimmt René Stitterich.

1999

Es besteht Platzmangel in der alten Flugzeughalle. Nur durch ein schwieriges Konzept (welches nur wenige Experten beherrschen) kann die gesamte Flugzeugtechnik eingeräumt werden. Der Fliegerclub entschließt sich, eine neue Halle zu bauen. Verantwortlicher Bauleiter ist Roland Marsch, seine rechte Hand ist Werner Pinkert. Die Baukosten belaufen sich umgerechnet auf 80.000 €.
Im Mai wird der Radweg entlang des Flugplatzes eingeweiht. Während der Bauphase wird die Telefonleitung für die Startstellen mit versenkt. Das Sommerlager findet in Güstrow statt.

2001

Dirk Fehse wird 1. Vorsitzender des Fliegerclubs bis 2003. Vom Aeroclub Dachau wird der Astir D-2901 gekauft.

2002

Die Firma Sika (Hersteller von Betonschutz- und Korrosionsschutzprodukten) testet im Rahmen eines mehrtägigen Techniksymposiums verschiedene Beschichtungssysteme auf dem Fußboden in der neuen Halle. Dabei wird von den Teilnehmern „Oschatz“ im internationalen Sprachgebrauch als ,,O-Darling“ interpretiert. Organisiert wird das Treffen von Heiko Eckhardt.
Nach der Jahrhundertflut im August sind Oschatzer Clubmitglieder in Döbeln im Einsatz und beteiligen sich an den Aufräumarbeiten.
Im Winter wird gebaut. Im Peilhaus entsteht ein neuer Sanitärtrakt mit zwei Duschen. In der alten Halle werden ebenfalls die sanitären Räume modernisiert und umgebaut. Dadurch kann ein neuer Raum für das technische Büro gewonnen werden.

2003

Der ehemalige Oschatzer Pilot Gert Franke fliegt mit einer AN-2 (der größte Doppeldecker der Welt) 12000 km über 17 Staaten nach Südafrika. Innerhalb von einer Woche verliert der Verein durch Unfälle zwei Flugzeuge, die Wilga D-EWRQ und den Motorsegler D-KALM. Die SZD 55 wird verkauft.
Jan Simon wird zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Im Mai erfolgt der Kauf des Astir CS 77 D-4811. Das Sommerlager findet in diesem Jahr in Rheinsdorf statt. Der Club wird Halter des Blanik D-9196, damit stehen für die Schulung drei doppelsitzige Maschinen bereit. Im November ist es endlich so weit. Der Verein besitzt wieder einen Motorsegler. Bernhard Gorzny fliegt mit dem Falken D-KNIN von Ober-Mörlen nach Oschatz.

2004

Pfingsten: Prof. Dr. Karl-Heinz Dannhauer (alle kennen Ihn als Toni) fliegt mit seinem Segler PW-5 eine freie Strecke von Oschatz bis zum Schwarzwald. Nach 510 km und einer Flugzeit von 9 Stunden landet Toni südöstlich von Karlsruhe. Für die Rückholtour erklärt sich Dirk Hochtritt bereit.
Der Fliegerclub ist zum Tag der Sachsen in Döbeln präsent und stellt einen Astir aus. Das Sommerlager findet in Aschersleben statt.
Der damalige sächsische Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf fliegt mit einem Hubschrauber nach Oschatz, um an einer Wahlveranstaltung teilzunehmen. Vor seiner Abreise trägt sich der Ministerpräsident in das Gästebuch des Fliegerclubs ein.

2005

Mit sieben Ultraleichtflugzeugen und zwei Drachenfliegern legen 15 englische Piloten einen zweitägigen Zwischenstopp in Oschatz ein. Ihre Europareise führte sie über Frankreich, Holland, Dänemark, Schweden und nach Deutschland. Von Vereinsmitgliedern werden die Gäste bestens betreut, gern nehmen die Oschatzer die Einladung an, einmal mitzufliegen. Der Verein entscheidet sich vom Fliegerclub Schwarzheide eine Wilga zukaufen. Es ist die D-EWRJ.
Einige Klassen des Thomas-Mann-Gymnasium Oschatz erleben Physikunterricht auf dem Flugplatz, diese Möglichkeit nutzen auch Mittelschüler aus Wurzen und Waldheim. Bei den Projekttagen wird den Schülern ein kleiner Einblick in die Aerodynamik vermittelt und anschließend besteht die Möglichkeit, sich einmal selbst in die Lüfte zu begeben.

2006

Nach Steffen Winde übernimmt Matthias Pollmer die Betreuung der Internetseite des Vereines.

2007

Im Oktober findet der 1. Lehrgang zur Ausbildung von Segelfluglehrern für das Land Sachsen statt. Initiator ist der Landesausbildungsleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Dannhauer. Alle neun Teilnehmer loben die gute Organisation, die vorzügliche Bewirtung durch Gert Polster und den Einsatz von vielen Clubmitgliedern, die geholfen haben, den Lehrgang abzusichern. Am letzten Flugbetrieb des Jahres wird Werner Pinkert in einer Feierstunde für seine Verdienste zum 1. Ehrenmitglied des Fliegerclub ernannt.

2008

Torsten Kislat gewinnt in Aschersleben den Sonderpreis für den interessantesten Flug im Leewellenfliegen mit einer Höhe von 6200 m.
Unsere alte Halle ist 49 Jahre alt und das Dach braucht dringend eine Erneuerung. Dank der Spende des Clubmitgliedes Olaf Hawlitschek kann im Sommer das Dach saniert werden. Das Sommerlager wird in Pirna durchgeführt. Gründung der Sektion Modellflieger.
Im November bis Juni 2009 bekommt der Bocian D-8058 für 7500 eine Schönheitskur verpasst. In der Werft ZAKLAD SZYBOWCOWY JEZOW in Polen wird eine Grundüberholung durchgeführt.

2009

Die Wilga D-EWRI hat einen Triebwerksschaden, die Kosten der Reparatur würden das Budget der Vereinskasse übersteigen. Ein privater Interessent kauft die Maschine, er baut ein neues Triebwerk ein und Anfang des Jahres verlässt uns die D-EWRJ auf dem Luftweg.
Einführung des Flatrate-Fliegen für Flugschüler.
Das heißt, unsere Flugschüler fliegen vier Jahre lang zu einem Festpreis. Diese Regelung wird von den Schülern und deren Eltern gern angenommen.

Es gibt sie doch noch, die Flugsperre! Der Anlass ist der Besuch des US Präsidenten Barack Obama am 4.-5. Juni in Dresden. Aus Sicherheitsgründen wird der gesamte Luftraum Sachsens für die zivile Luftfahrt gesperrt.
Die Polizei überwacht auf dem Flugplatz die Einhaltung der Maßnahme. Kontroverse Auseinandersetzungen über den Kauf eines geeigneten Schleppflugzeuges beginnen. Sollte es ein Motorflugzeug, ein Motorsegler oder ein ultraleichtes Flugzeug sein?
Die Vereinsmitglieder entscheiden sich zum Kauf der Remorqueur, ein französisches Motorflugzeug in Holzbauweise. Esther Dittmann und Jan Simon überfliegen das Flugzeug von Kamp-Lintfort nach Oschatz.
Diana und Dietmar Bluhm, Grit und Roland Marsch organisieren die bislang größte Werbeaktion für ein Flugzeug. Die Remorqueur wird zum Stadtfest in Oschatz früh um 6 Uhr mit einem Tieflader der Firma Peters in die Innenstadt gefahren. Die Polizei begleitet diese ungewöhnliche Fahrt. Den ganzen Tag machen Vereinsmitglieder Werbung für dieses Flugzeug und sammeln Namensvorschläge von den Besuchern des Stadtfestes. Abends entscheidet sich ein Gremium für den Namen „Aegidienfalke“. Am nächsten Tag erfolgt in der neuen Halle die feierliche Weihe des Flugzeuges durch den Pfarrer der Aegidienkirche Herrn Jochem.
Im Oktober werden zum zweiten Mal Fluglehrer für die Länder Sachsen und Thüringen in Oschatz ausgebildet. 15 neue Segelfluglehrer und fünf Lehrer für die Motorseglerausbildung erhalten ihre Lehrberechtigung.
Der Winter wird für eine große Aktion genutzt. Rings um den An- und Abflugsektor werden Bäume gefällt, um die Flugsicherheit zu gewähren.

2010

Fluglehrer im Verein: Prof. Dr. Karl-Heinz Dannhauer, Heiko Eckhardt, Bernhard Gorzny, Dr. Ullrich Hofmann, Torsten Kislat, Jörg Kraus, Thomas Lange, Klaus Ledig, Mathias Müller, Klaus Schwanz, Jan Simon und René Stitterich.
Im März: Vereinsausflug zur Besichtigung der Firma Schleicher in Poppenhausen und Besuch des Flugzeugmuseums auf der Wasserkuppe.
Neu: Es werden Silber-C Bedingungen auf dem Motorsegler erflogen.
In den 20 Jahren des Bestehens des Fliegerclubs Oschatz e. V. vertraten Mitglieder den Verein bei Sächsischen Staatsmeisterschaften, beim Jugendvergleichsfliegen, bei der Streckenflugwoche in Canitz, beim Heidepokal in Roitzschjora, beim Pokal der alten Langohren in Klix, beim Leewellenpokal in Aschersleben, zu Kunstfluglehrgängen in Zwickau, zu Oldtimertreffen und reichten ihre Streckenflüge zum dezentralen Jahreswettbewerb ein.


Quellenverzeichnis:

  • Gründungsfeier der Fliegerortsgruppe Oschatz/Oschatzer Tageblatt 14.05.1934
  • Beiträge in der Leipziger Volkszcitung und der Oschatzer Allgemeine 1956 bis 2010
  • Archiv des Segelflugstützpunktes Oschatz
  • Segelfugbetriebsordnung der GST 1952
  • Van der Geburtstagsfeier in Oschatz /Sport und Technik in Wort und Bild 10/1957
  • Flugtag in Oschatz/ Der Rundblick 9/1959
  • 10 Jahre GST/Neue Oschatzer Kreiszeitung 8/1962
  • Zwischen Himmel und Erde/ Der Rundblick 10/1962
  • Stefan Kählert: Die Entwicklung des Flugsportes im Kreis Oschatz 1967
  • Gerhard Richter: Der Traum vom Fliegen
  • Rund um den Collm 2/1995
  • Werner Kriegel: Wie ich wieder in die Luft ging. Kriegsblindenjahrbuch 1995
  • Dr. Jochen Seifert/Horst Brändl: Umbruch Eine Chronik 1989-2007

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